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	<title>AWA&#039;s blogging &#187; Leserbriefe</title>
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	<description>Andreas Wolfgang Augstein</description>
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		<title>Erlebte Gewalt</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 16:20:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Auge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leserbriefe]]></category>

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		<description><![CDATA[Leserbrief (Blogbrief) zu einem Artikel der FAZ-Sonntag, &#8220;Erlebte Gewalt. Leser berichten: Angst, &#220;berf&#228;lle, keine Hilfe&#8220;: Es geh&#246;rt zu meiner Alltagserfahrung, Gewalt auf Bahnh&#246;fen, in Z&#252;gen und in Bussen mitzubekommen und zu erleben. Ich lebe in Berlin und nutze den &#246;ffentlichen Nahverkehr fast t&#228;glich. Ich habe bereits genug erlebt, um seitenweise Papier mit meinen Erlebnissen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src='http://www.augstein.org/pics/blog_berlin_ubahn.jpg' alt='U-Bahn, Bahnhof' class='alignnone' /><br />
Leserbrief (Blogbrief) zu einem Artikel der <a href="http://www.faz.net/">FAZ-Sonntag</a>,<br />
&#8220;<strong>Erlebte Gewalt. Leser berichten: Angst, &Uuml;berf&auml;lle, keine Hilfe</strong>&#8220;:<br />
Es geh&ouml;rt zu meiner Alltagserfahrung, Gewalt auf Bahnh&ouml;fen, in Z&uuml;gen und in Bussen mitzubekommen und zu erleben. Ich lebe in Berlin und nutze den &ouml;ffentlichen Nahverkehr fast t&auml;glich. Ich habe bereits genug erlebt, um seitenweise Papier mit meinen Erlebnissen zu f&uuml;llen. Ich dachte eigentlich immer auch ein wenig, dass es an mir liegt. Aber die Geschehnisse der letzten Monate, die durch die Presse gingen, beweisen doch, das Gewalt in der U-Bahn zum Alltag geh&ouml;rt. Der Umstand wird einfach tot geschwiegen, erst ein eklatanter Fall wird &ouml;ffentlich. Die Verkehrsbetriebe m&uuml;ssen zusehen, schwarze Zahlen zu schreiben, und so verwahrlosen Bahnh&ouml;fe, streift das Wachpersonal in geringer St&auml;rke&#8230; Vor einigen Wochen schrieb ich eine E-Mail an die Berliner Senatsverwaltung, weil ich immer wieder Leute sehe, die auf den Bahnh&ouml;fen rauchen, auch mal in den Z&uuml;gen selbst, und manchmal auch in gr&ouml;&szlig;eren Gruppen. Ich wollte wissen, warum nur sp&auml;rlich das Nichtraucherschutzgesetz umgesetzt wird, warum ich nicht mal eine Streife des Ordnungsamtes in irgendeinem Bahnhof gesehen habe&#8230; Bei der Antwort wurde mir best&auml;tigt, das Rauchen auf Bahnh&ouml;fen eine Ordnungswidrigkeit ist, doch der mir antwortende Sachbearbeiter erl&auml;uterte aus seiner eigenen Erfahrung heraus, dass es zu keinen Verst&ouml;&szlig;en komme und sich eigentlich jeder an das Rauchverbot halten w&uuml;rde. Lachhaft! Es sind nicht nur die Jugendlichen, es sind die Trinkerklicken, welche auf manchen Bahnh&ouml;fen ihre Treffpunkte haben, es sind die Dealer und die Konsumenten von Drogen aller Art. Oftmals beginnt es mit einem Spiel oder mit kleineren Grenzverletzungen. Mancher macht auf gef&auml;hrlichen Mann und testet aus, wann sein Gegen&uuml;ber endlich vor Demut zu Boden blickt, oder er verh&auml;lt sich soweit daneben, dass Andere regelrecht dazu gen&ouml;tigt werden, ihn rechtweisen zu m&uuml;ssen. Ich hasse diese Spiele, weil ich nicht den Duckm&auml;user spielen kann. Und alle anderen Reaktionen, als die eines Duchm&auml;users, werden dann &uuml;bel und gef&auml;hrlich angegangen. Diese Spiele werden fast &uuml;berall gespielt, fast mit jedem. So etwas regt mich auf und ich lasse mich da ab und zu hinrei&szlig;en, den Spie&szlig; umzudrehen. Angst habe ich selten. Aus mehreren Jahren &#8220;Leistungssport&#8221; und &#8220;Kampfsport&#8221; sch&ouml;pft man Selbstvertrauen.  Deswegen spreche ich die Leute auch mal an. Beispiele: Vor einigen Monaten rauchte ein betrunkener Hertha-Fan in der voll besetzten U-Bahn, keiner sagte etwas. Ich bin aufgestanden und habe ihn h&ouml;flich angesprochen, die Zigarette auszumachen. Er weigerte sich einfach und wollte mich links liegen lassen. &#8220;Wenn du nicht von der BVG bist, hast du mir eh nichts zu sagen!&#8221;. Diesen Spruch h&ouml;rt man in solchen F&auml;llen &ouml;fter. &#8211; Es bleibt aber nicht dabei, wenn man sich einmischt, dann ger&auml;t man unweigerlich in Auseinandersetzungen. Ich hatte mal einen Jugendlichen sp&auml;t abends in der Bahn gebeten, seine Pistazienkerne nicht auf den Boden fallen zu lassen, das Ende vom Lied war, das er mit seiner Gruppe genau wie ich am Endbahnhof ausgestiegen ist und mit einer Bierflasche auf mich los wollte. Es entstand das &uuml;bliche Spiel, seine Freunde haben ihn, &#8220;gro&szlig;m&uuml;tig&#8221; mir gegen&uuml;ber, von seinen Taten abgehalten. Ich bin Vorausgelaufen und stand dann oben vor der Bushaltestelle. Dort muss auch der Treffpunkt der Jugendlichen gewesen sein. Er stand mir schlie&szlig;lich gegen&uuml;ber und hat gedroht, mir auf die Fresse zu hauen. Aufgrund der Anzahl seiner Freunde, die mich st&auml;ndig umkreisten, hatte ich wirklich Angst gehabt, pokerte aber soweit, dass ich ihm klar machte, zumindest ihn noch ernsthaft zu verletzen, wenn er mit der k&ouml;rperlichen Auseinandersetzung beginnt. Es ging gut, ich konnte alleine in den n&auml;chsten Bus einsteigen und fuhr davon. Einige Unbeteiligte waren Zeugen, stellten sich jedoch blind. Ich will nicht wissen, was sie gemacht h&auml;tten, wenn ich k&ouml;rperlich angegriffen worden w&auml;re. Ein anderes Mal bin ich sonntags fr&uuml;h zur Bushaltestelle gelaufen und sah einen Jugendlichen, der sichtlich betrunken auf die Sitze pinkelte. Ich war richtig angefressen, zumal auch ein Pissoir-H&auml;uschen in der N&auml;he war. Ich rief ihm zu: &#8220;Kannst du nicht woanders hinpissen, du besoffenes Arschloch!&#8221; (Wo ist mein h&ouml;flicher Ton? Aber ein Arschloch ist er nun mal gewesen.) Er drehte sich um, stellte sich vor mich und fragte: &#8220;Hast du mich gerade angemacht?&#8221; Auch seine zwei Freunde kamen hinter der Bushaltestelle zum Vorschein und stellten sich links und rechts neben mich. Na super. Es dauerte nicht lang, nachdem die sich alle postiert hatten, bekam ich von rechts einen Faustschlag in das Gesicht, und gleich danach von den Typen vor mir mit einem Gegenstand auf den Kopf. Ich wehrte mich sofort aktiv und schlug dem in der Mitte mit der Faust auf den Mund. Der torkelte nach hinten weg. Ich drehte mich nach rechts und attackierte den Anderen mit Fu&szlig;tritten. Dieser wendete mir den R&uuml;cken zu und ging in eine Schutzhaltung &uuml;ber. Der Letzte von Dreien hatte nichts gemacht und mischte sich auch nicht ein. In dem Moment rief ein Angestellter von der Stra&szlig;enreinigung, der mit seinem Kleinfahrzeug den Gehweg s&auml;uberte, und den ich zuvor gar nicht wahrgenommen hatte: &#8220;Du hast dein Recht gekriegt, h&ouml;r auf, sonst ruf ich die Bullen!&#8221; Die k&ouml;rperliche Auseinandersetzung war pl&ouml;tzlich vorbei. Das Arschloch hatte sich von meinem Treffer erholt, blutete aber aus der Fresse, und war immer noch sehr aggressiv. Ich konnte mich aus der Sache l&ouml;sen und stieg in den Bus, als dieser ankam. Ich freute mich dar&uuml;ber, dass, wenn Arschloch erstmal seinen Rausch ausgeschlafen hatte, er ordentliche Schmerzen haben wird. Tja, &#8211; das waren nun einige Geschichten, eigene Erlebnisse&#8230;<br />
Ich finde es gut, dass man posthum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dominik_Brunner">Dominik Brunner</a> das Bundesverdienstkreuz verliehen hat. Es ist eine symbolische Geste. Leider nicht mehr, es ist eine Geste, die ihn seiner Familie nicht zur&uuml;ck bringt. Appelle an die Zivilcourage sind n&ouml;tig, aber auch Happy Ends mit lebenden Helden. Die &ouml;ffentliche Debatte f&uuml;hrt scheinbar zu keinem Ende und wird demnach auch nichts bewegen. Ich wei&szlig; nicht, wie es weiter geht&#8230; ich werde mich aber weiterhin einmischen und die Augen offen halten.</p>
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