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Die Berliner Philharmoniker geben jedes Jahr ihr letztes Konzert zum Abschluss der Saison unter freiem Himmel. Rund 20.000 Zuhörer lauschen dann in der Berliner Waldbühne den musikalischen Klängen. – Auch letzten Sonntag wieder, zu einer „Nacht der Liebe“, so das musikalische Motto. Und ich war, wie schon letztes Jahr, live dabei. Ein Jahr zuvor (2008) sah ich durch Zufall die Liveübertragung im Fernsehen und war sofort hin und weg: Bei sommerlichen Temperaturen im Freien von den letzten kraftvollen Sonnenstrahlen der Sommersonne über die Dämmerung bis in eine lauwarme Nacht hinein klassischen Klängen lauschen, zumal vom besten Symphonieorchester der Welt, das kann doch nur spitze sein. Letztes Jahr also war ich das erste Mal in der Waldbühne. Das Motto “Russische Rhythmen” und für mich ein Platz auf der Liegewiese, direkt vor der Bühne… Alles hätte damals schon so schön beschwingt und wundervoll werden können, wie es mich wegen der Fernsehübertragung 2008 ahnen ließ. Die Liegewiese aber war total überfüllt, ich saß beengt und unwohl, und zum letzten Drittel der Vorstellung regnete es aus allen Kübeln, wo dann zum Glück alle standen und ich eigentlich nur das eine Übel mit dem anderen tauschte. – Mit kurzer Hose und dünner Trainingsjacke überstand ich den Abend. Und nach all dem wusste ich: Wenn ich eine Karte zu der wohl immer ausverkauften Veranstaltung kriege, dann nächstes Jahr auf jeden Fall wieder! Und so war es auch. Im Januar konnte ich eine Karte, Block H, für 39 Euro ergattern. Diesmal lautete das Motto “Nacht der Liebe”.
Die Berliner Philharmoniker begleiteten die amerikanische Sopranistin Renée Fleming und und spielten außerdem stimmungsvolle Instrumentalstücke, in deren Mittelpunkt die Liebe steht. Dirigent war Ion Marin.
Es war einfach klasse! Ich hatte einen guten Platz und das Wetter stimmte bis zum Schluss. – Aber der Reihe nach…
Gegen Mittag machte ich mich nach Spandau auf, um in Ruhe das Achtelfinale der Fußball-WM 2010 in einer Kneipe gucken zu können. Die deutsche Nationalmannschaft gewann in einem geschichtsträchtigen Spiel gegen England souverän mit 4:1. Nach dem Spiel machte ich mich gleich in Richtung Waldbühne auf und stand wie letztes Jahr erst mal einige Zeit an.

Drinnen war die Waldbühne schon gut gefüllt und viele Besucher waren mit Picknick beschäftigt. Überall aßen und tranken die Menschen ihr Mitgebrachtes und überbrückten so die Zeit. Einlass war schon ab 18 Uhr, ich kam um 19 Uhr an und musste also nicht allzu lange warten, bis endlich gegen 20:15 Uhr das Musikkonzert los ging.

Direkt eine Sitzreihe vor mir nahm ein Pärchen Platz, die während der Berlinale im Kino, bei der Dokumentation “Deutsche Alkoholiker”, schon mal neben mir saßen. So als ob damals der Titel des Films auch bei dem Mann Programm war, trank dieser ordentlich viel Rotwein weg. Und diesmal war es nicht anders. Auch in der Waldbühne trank er so viel von dem Zeug, dass man immer wieder den Rotwein-Geruch in der Nase hatte. Damals im Kino fragte er mich nach dem Film, der davon berichtetet dass Alkoholiker nicht immer klischeehaft irgendwelche Stereotypen bestätigen: “Was war das denn jetzt? Fanden Sie den Film denn gut?” Ich sagte damals nichts dazu. Aber nicht nur, dass Er mir suspekt war, seine Freundin tat ihres dazu, weil sie immer wieder, wenn beide miteinander schmusten, seinen Hintern in einer absonderlichen Art mit der Hand liebkoste. Mir blieb nichts weiter übrig, als dies Schauspiel mit an zu gucken. Das Gute war, dass es während der Veranstaltung immer dunkler wurde. Die Leute rechts und links von mir waren und blieben eher unscheinbar. Aber alles in allem waren alle um mich herum angenehme Zeitgenossen. Endlich spielten sich die Musiker des Orchesters ein und starteten kurz vor Anpfiff noch einige Laola-Wellen, kurz nachdem der Dirigent unter stürmenden Beifall die Bühne betrat.

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Der Dirigent wünschte dem Publikum einen schönen Abend und meinte, dass nach dem furiosen deutschen Fußballsieg gegen England die Nacht der Liebe umso mehr genossen werden kann. Mittendrin rief er in das Mikrofon: “Mikrofon kaputt: Eins, Vier!” – Das Publikum applaudierte… Das Konzert war richtig toll, die Nacht war sommerlich warm und ab und an wehte ein angenehmer Wind von den Tannenwipfeln hinab ins Halbrunde. Überall im Publikum wurden Kerzen und Wunderkerzen entzündet und in die Höhe gehalten. Die Atmosphäre war, passend zum Thema, richtig romantisch. Zum Abschluss spielte das Orchester traditionell “Die Berliner Luft” und verabschiedete sich mittendrin und überraschenderweise noch mit dem Gedröhne aus den, in dieser WM berühmt und berüchtigt gewordenen, Vuvuzelas.

- Nächstes Jahr hoffentlich wieder… Dann will ich aber, wenn das Wetter stimmt, mit dem Fahrrad zur Walbühne radeln und in meinem Rucksack ein Sitzkissen, etwas zu Essen und zu Trinken, ein Fernglas (bei gleichem Sitzplatz) und vielleicht Wunderkerzen dabei haben.
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Themenabend: Nacht der Liebe
Die Berliner Philharmoniker in der Waldbühne, So., 27. Juni 2010.
Dirigent: Ion Marin.
Sopran: Renée Fleming.
Modest Mussorgsky (1839-1881)
Johannisnacht auf dem Kahlen Berge (1866/67)
Bearbeitung und Orchestrierung von Nikolai Rimsky-Korsakow (1886) mit dem originalen Finale von Modest Mussorgsky (1867)
Allegro feroce – Poco più sostenuto – Tempo primo – Poco più sostenuto – Animato – Poco meno mosso
Antonin Dvorak (1841-1904)
Rusalka
Oper in drei Akten op. 114 (1900), Libretto: Jaroslav Kvapil
“Mesicku na nebi hlubokém” (Lied an den Mond der Rusalka aus dem 1. Akt)
Bedrich Smetana (1824-1884)
Dalibor
Oper in drei Akten (1865-1870), Text: Josef Wenzig in tschechischer Übersetzung von Ervin Spindler
“Dobrá, Já mu je dám! Jak je mi?” (Arie der Milada aus dem 2. Akt)
Aram Chatschaturjan (1903-1978)
Spartakus
Ballett in vier Akten (1950-1954), Szenario: Nikolaj Wolkow
Adagio des Spartakus und der Phrygia aus dem 3. Akt
Richard Strauss (1864-1949)
Capriccio
Konversationsstück für Musik in einem Akt opt. 85 (1940/41), Text: Clemens Krauss
“Morgen mittag um elf!” (Letzte Szene: Gräfin allein)
PAUSE
Richard Wagner (1813-1883)
Rienzi, der Letzte der Tribunen
Oper in fünf Akten (1838-1840), Libretto: Richard Wagner
Ouvertüre: Molto sostenuto e maestoso – Allegro energico – Un poco più vivace – Molto più stretto
Erich Wolfgang Korngold (1897-1957)
Die tote Stadt
Oper in drei Akten op. 12 (1920), Libretto: Erich Wolfgang und Julius Korngold nach Georges Rodenbach
“Glück, das mir verblieb” (Mariettas Lied aus dem 1. Akt)
Richard Strauss
Zueignung op. 10 Nr. 1 (1885)
Fassung mit Orchesterbegleitung (1940), Text: Hermann von Gilm
Edward Elgar (1857-1934)
Salut d´amour op. 12 (1888/89)
Andantino – Tempo più lento
Giacomo Puccini (1858-1924)
La Bohème
Oper in vier Bildern (1896), Libretto: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa
“D`onde lieta usci” (Arie der Mimi aus dem 3. Bild)
Ruggero Leoncavallo (1857-1919)
La Bohème
Oper in vier Akten (1897), Libretto vom Komponisten
-“Musetta svaria sulla bocca viva” (Arie der Mimi aus dem 1. Akt)
-“Mimi Pinson, la biondinetta” (Arie der Musette aus dem 4. Akt)
Giacomo Puccini
Turandot
Oper in drei Akten (1926), Libretto: Giuseppe Adami und Renato Simoni
“Tu che di gel sei cinta” (Arie der Liù aus dem 3. Akt)
Peter Tschaikowsky (1840-1893)
Romeo und Julia
Fantasie-Ouvertüre nach Shakespeare (1869/70)
Andante non tanto quasi Moderato – Allegro giusto – Moderato assai