Berliner Comicbörse

Beim morgendlichen Kaffee dudelte heute das Radio im Hintergrund und mittendrin berichtete der Moderator davon, dass in der City-West die Berliner Comicbörse für den heutigen Tag ihre Tore öffnet. Aha- Comicbörse! Noch nie was davon gehört… Aber neugierig war ich schon, weil ich einen guten Comic zu schätzen weiß. Ich suchte also im Internet nach weiteren Informationen: Für drei Euro Eintritt sollte man viele bedeutende Comicverlage, ebenso Comiczeichner und ganz ganz viele Comics bestaunen dürfen. Nachdem ich ausreichend informiert war, schrieb ich noch den fehlenden Wikipedia-Artikel und machte mich dann am Vormittag, mit drei Euro in der Tasche und meinem Fotoapparat, in Richtung Kurfürstendamm auf. – Es war ein herrlicher Tag. Ein strahlend blauer Himmel, kaum eine Wolke, und nur ab und an eine leichte Brise Wind, die dann aber angenehm erfrischend war, weil sich auch die Sonne von ihrer kräftigen Seite zeigte. Darüber hinaus ergrünt es endlich überall und der liebliche Duft der Sträucher liegt seit wenigen Tagen mal hier mal da in der Luft. Dieser Sonntag war wie dafür gemacht, die Biergartenzeit, die Grillsaison oder eine andere ritualisierte Freizeitaktivität unter freiem Himmel zu eröffnen. Sommerbekleidung war also angesagt. Dünne Hose und ein T-Shirt. Angekommen vor meiner U-Bahn-Station (Der südliche Ausgang) fand ich dann noch auf dem verkachelten Boden, eben dieser Station, ein durchaus regsames Schauspiel vor. Ameise Ameisen umkreisten ein kleines Stück Zucker und ackerten sich daran ab. Zwei Ameisenwege führten zum umtanzten Traum und wieder zurück. – - Halt mal! Wann komm ich denn endlich zur Comicbörse? Jetzt, den Ausschweifungen wegen, einen ordentlichen Sprung weiter in der Geschichte:… Am Ellington Hotel angekommen, gelangte ich über einen Nebeneingang zur Comicbörse. Ich lief durch die alle Räumlichkeiten, das erste Mal und auch ein zweites Mal und schwups, gute zwanzig Minuten später war ich wieder raus. Comicbörse Berlin
Der Charme der Börse gleicht einem ordentlichen aber zweitklassigen Trödelmarkt mit viel Ware in Pappkartons. Eyecatcher gab es eigentlich keine, und ohne vernünftige Orientierung muss man sich durch die unzählig vielen Comics manövrieren, als wäre man am Wühltisch. Und auch die anzutreffenden Comiczeichner sind in dem Gedränge derart verbaut, dass man meinen könnte, sie blickten nicht hinab, weil sie gerade ihr zeichnerisches Können unter Beweis stellen, sondern allein aufgrund des depressiv machenden Charakters der örtlichen Enge. Und so läuft man auch bei denen wieder und leider sehr schnell vorbei. – Ein Reinfall ist die Börse aber trotzdem nicht! Und beim nächsten Mal will ich wieder dabei sein: Dann aber mit Zeit und innerer Ruhe, denn Comicbörse Berlin mit Sicherheit ist für jeden Geschmack ein besonderer Comic dabei! Es gibt einfach alles. Es gibt die, in unzählige Themenbereiche aufgefächerten, Erwachsenencomics. Es gibt jene Comics, die man in seiner Kindheit gelesen hat, und die uns einladen, eine kleine Reise in die Vergangenheit zu machen. Es gibt neben antiquarischen Comics auch Neuerscheinungen der Verlage. Es gibt kostenlose Comics und kaum bezahlbare Raritäten und Kunstwerke. Es gibt an Comics einfach alles. Man muss sich auf den Comicbörsen-Wahnsinn nur einlassen. Dann aber auch Geld dabei haben – weil man mit Sicherheit irgendein Comic mit nach Hause nehmen möchte. Dieser Tag aber war einfach zu schön und mein Geldbeutel viel zu leer, als das ich mir die Zeit genommen hätte. – Zu Hause zurückgekehrt, machte ich eine lange Fahrradtour im schönen Tegeler Fließ und ließ damit den Tag ausklingen.
- Für den Terminkalender: Die nächste Comicbörse findet am 14. November 2010 statt.

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