Morgens halb zehn in Deutschland. Ganz Handwerkerdeutschland trifft sich zum Knoppers, zu Kaffee und Schrippe in den, nach den Verbänden, zweiten interdisziplinären Treffpunkten des Landes, den Bäckereien. Zuvor aber musste sich der Held unserer Geschichte, der Geselle, beeilen, den ersten Auftrag zu erledigen. Sein Chef wartete im Kastenwagen auf dem Beifahrersitz, regelte ab und an am Thermostat herum und las schon mal ein wenig in der Pflichtlektüre aller Berliner Handwerker und Bauarbeiter. Nach einer Weile guckte er kritisch auf seine Armbanduhr und fragte sich, wo denn der Geselle bleibt. Da hörte man schon das metallische Gleiten und das krachende Einrasten der Seitentür. Lautes Rumpeln als der Werkzeugkasten in das Innere des Fahrzeugs flog. Automatisch regelte der Chef das Thermostat nach oben und rief dem Gesellen zu, sich zu beeilen. Der Geselle holte schließlich noch eine Leiter, die er ebenfalls laut verstaute. Erst dann schob er mit einem ordentlichen Schwung die Seitentür zu. “Beim nächsten Mal machst du zwischendurch die Tür wieder zu, ich heize nicht für draußen!” sagte der Chef verärgert, als der Geselle sich ans Steuer setzte, und fragte erst danach: “Und was war?” Zur Antwort kam, dass die Glühbirne defekt war und ausgetauscht werden musste. Als der Wagen endlich anfuhr, legte der Chef die Zeitung weg, zündete sich eine Zigarette an und sagte: “Jetzt aber auf zum Bäcker, der nächste Auftrag kann ein bisschen warten…”