Missgeschicke des Alltags, Folge 1

Anfang Dezember unterschrieb ich einen Ganzjahresvertrag bei einer Mucki-Bude (McFit). Zunächst jedoch lief “Aktion Sommerkörper 2010″ sehr schleppend an, da ich erst im Januar zum Trainieren kam. Ein Kumpel mimte am ersten Trainingstag meinen Personal-Trainer, erklärte mir die Geräte und Grundsätzliches zum Kraftsport und stellte für mich ein Sportprogramm zusammen. Soweit so gut. Auch die grundlegenden Regeln erfuhr ich. Mitzubringen ist ein Handtuch, mein Sportzeug und ein Vorhängeschloss, mit dem man seinen Spind in der Umkleidekabine vor Langfingern sichern kann. Im Notfall kann man auch bei den freundlichen Mitarbeitern seinen Mitgliedsausweis als Pfand hinterlegen und bekommt das benötigte Handtuch oder das Vorhängeschloss geliehen. Im Notfall. Alles klar. Der Kumpel stellte gleich klar, beim nächsten Mal bin ich auf mich allein gestellt, weil er das Kindergarten-Leistungsniveau schon lange hinter sich gelassen hat, und ich dann doch wie ein Klotz am Bein sei. Na gut. Wenigstens blieb mir der Sprung ins kalte Wasser erspart.
Die Woche darauf checkte ich meine Utensilien: Sportzeug vorhanden. Handtücher im Bestand. Kein Vorhängeschloss. – Bei meinem Bauhaus an der Ecke stand ich dann vor der meterlangen Auslage mit den Vorhängeschlössern. Es gab Schlösser in allen erdenklichen Formen und Farben. Es gab Zahlenschlösser, Granitschlösser, Diskusschlösser, mal in silber-matt gehalten, in schwarz, oder in Messing. Auf alle Fälle wollte ich ein Marken-Vorhängeschloss und grenzte die mögliche Auswahl auf ABUS- Schlösser ein. Dann schielte ich auf den Preis und entdeckte auf den Verpackungen die Angabe, wie sicher das enthaltene Produkt ist. Eine Stufenskala von 1-10 ordnete den Sicherheitsstandard anschaulich ein. Je sicherer, desto besser, war meine Devise. Aber 80 Euro für Stufe10, nein danke! Meine Wahl fiel dann auf ein Stufe8-Exemplar: Das ABUSplus 89/50! – 20 Euro kostete mich die Gewissheit, dass selbst Arnold Schwarzenegger meinem Vorhängeschloss nichts anhaben kann und nur an meine Wertsachen & Co käme, wenn er dafür den Schrank zerkloppt. Ja! Geil! Das brauch ich! Ich bezahlte. Ich verließ den Laden. Riss die Verpackung auf, um das neu erworbene heiße Teil hautnah in den Händen halten zu können und war glücklich und zufrieden. Den ganzen Müll, Verpackungsreste und Quittung warf ich unterwegs noch weg. Ob mich andere beneiden und voller Neid auf mein Vorhängeschloss gucken werden? Tage später bei McFit in der Umkleidekabine: Ich legte mein Handtuch und die Sportsachen auf die Sitzbank. Ich suchte mir einen freien Spind und legte meine Straßenkleidung ab. Dann holte ich das Vorhängeschloss ABUSplus 89/50 hervor und wollte den Spind abschließen. Als ich den Bügel des Schlosses in die entsprechende Führung am Spind einführen wollte, ging es nicht, der Bügel war zu dick! Schock! Heul! Was für eine Scheiße! – Na toll. Ich zückte meinen McFit- Mitgliedsausweis und ging frustriert zur Rezeption. Die freundliche Mitarbeiterin gab mir, für mein Pfand, ein Vorhängeschloss, das so verbraucht aussah, dass selbst der Sicherheitslevel bei dem Ding von 3 auf 1 gesunken schien. Ich sicherte den Spind mit dem Schloss und machte Kraftsport. – Zuhause fiel mir ein, dass ich bereits alles weggeworfen hatte… Die Verpackung, die Quittung. Die Quittung! – Jetzt bin ich stolzer Besitzer eines Stufe8-Vorhängeschloßes für 20 Euro, ohne dafür eine Verwendung zu haben. Und bei ebay ging genau dasselbe Ding vor kurzem für 5 Euro weg! Juchhu! Vorhängeschlösser kaufe ich mir keine mehr… Notfälle sind jetzt zwischen mir und McFit immer an der Tagesordnung!

1 Kommentar zu „Missgeschicke des Alltags, Folge 1“

  1. cpace sagt:

    Erworbene Gegenstände kann man (so lange ein Zeuge beim Kauf dabei dabei war und er den Kauf bezeugt) binnen der gesetzlichen Rückgabefrist auch ohne Kassenbon zurück geben.

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