Collage: Ich beim nächtlichen Joggen im Winter
Das Jahr ist drei Tage alt. Der Schnee liegt an einigen Stellen weit über Knöcheltiefe. Es ist kalt. Man könnte auf bessere Zeiten warten, aber der Winterspeck nervt und muss runter! Es hilft nicht, ich muss joggen, egal wie verschneit Berlin zurzeit ist. Heute Abend war ich das erste Mal 2010! Es lief erstaunlich gut. Der Schnee ist nicht schmierig oder glatt. Eisglatte Stellen sind gut ausgestreut und stellen keine echte Gefahr dar. Es macht Spaß, wenn man denn ordentlich gekleidet ist. – Und weil ich nicht erst seit heute so ein harter Hund bin, sondern schon in der Vergangenheit bei weitaus tieferen Minusgraden joggen war, kam die Erinnerung an eine Begebenheit in mir hoch, die ich vielleicht im Winter 2008/2009 erlebt hatte und heute mal erzählen will. Damals war es so kalt, dass ich über einen Kapuzenpullover noch eine Trainingsjacke darüber an hatte. Auf dem Kopf waren eine in das Gesicht gezogene Skimaske, darüber eine Wollmütze und dann noch die Kapuze des Pullovers. Die Hände wurden durch Wollhandschuhe gewärmt. Ich war gut eingepackt und joggte, wie so oft, spät in der Nacht meine Runde durch Nordberliner Straßen. In einer Einfamilienhaussiedlung joggte ich eine Anhöhe hoch. Es war dunkel, der Gehweg war spärlich ausgeleuchtet. Da kam mir dann, auf gleicher Gehwegseite, von oben ein älterer Mann entgegen, der seinen Hund, wohl noch vor dem ins Bettgehen, das letzte Mal ausführte und den ich wohlweißlich vorher noch nie gesehen hatte. Der Gang des Herrn stockte kurz, als er mich wahr nahm und die Leine wurde angezogen. Er sah einen schnaufenden, vermummten 100kg-Koloss von etwa 190cm Größe zügig auf sich zulaufen. Wieder stockte sein Gang und das Herz sank in die Hose. Noch bevor ich nah an dem Mann dran war, entsprang ihm still Stehenderweise ein unterwürfiges: “Guten Abend!” – Ein Satz, der mit der Hoffnung verknüpft war, sich damit retten zu können.