
BLAUE SPIEGEL -
Von Albert Ostermaier
Theater: Berliner Ensemble
Werk: Blaue Spiegel
Autor: Albert Ostermaier
Inszenierung: Andrea Breth
Bühne: Raimund Orfeo Voigt
Kostüme: Françoise Clavel
Musik: Bert Wrede
Mit: Larissa Fuchs, Corinna Kirchhoff, Wolfgang Michael, Elisabeth Orth, Laura Tratnik
Beschreibung:
Sybel und Jack haben sich in den Teufelskreisen und in dem Lösen des gordischen Beziehungsknoten ihrer Ehe erschöpft. Sybel ist traumatisiert. Für sie ist Jack ein Mörder, ein Blaubart, der Wolf. In ihren Träumen und Tagträumen mutiert er zu einer männlichen Bestie und einem bestialischen Mann. Nach außen hin lebt sie mit ihm weiter in der gleichen Wohnung, gibt vor, die Ehe retten zu wollen. Beide versuchen, sich in Rollenspielen wieder einander anzunähern. Sie reiben sich aneinander, um sich eine Chance zu geben. Aber die Rollen, die sie ihm zuweist, sind ein Echo ihrer Albträume. Jack streift ihre Projektionen wie Häute ab und lehnt sich dagegen auf, ein anderer sein zu müssen in dem dunklen Märchenwald ihrer Ängste. Albtraumgeplagt wie Sybel will er sie mit der nackten Wahrheit konfrontieren. Aber vielleicht läßt sich die Wahrheit als Kinderspiel finden, mit verschlossenen, verbundenen Augen, nach dem schnellen Kreisen und Gedreht-Werden um sich selbst. Und nach dem Suchen, Stolpern, Kriechen schlägt man endlich auf eine Brust und hört, ob das Herz klingt und preisgibt, was es verbarg. Aber vielleicht ist die Wahrheit auch jener Blaue Spiegel der Wasseroberfläche, der bricht, wenn das von seiner eigenen Reflexion erschrockene Gesicht in den Spiegel hinabtaucht. BLAUE SPIEGEL ist eine bürgerliche Tragödie und ein Horrortrip, ein böses Märchen und Rätsel, in dem jedes Erwachen ein neues Fallen ist und jede Lösung eine neue Verstrickung. Hinter jeder Tür wartet ein Geheimnis, hinter jedem Geheimnis eine Tür. BLAUE SPIEGEL ist eine Versuchsanordnung über unsere Wahrnehmungs- und Wahrheitsmuster. Traum und Wirklichkeit sind unentwirrbar miteinander verstrickt. Ruhe und Wahnsinn sind nicht zu trennen. Das Stück ist ein Kaleidoskop mit vielen Facetten; ist work-in-progress, dessen endgültige Form erst während der Proben entsteht und wie Fragen und Suchbilder bis zum Schluß und darüber hinaus offen bleibt.
Notiz: Vorstellung besucht am 14.01.2010. Als ich kurz vor Vorstellungsbeginn in eisiger Kälte die letzten Meter zu Fuß Richtung Berliner Ensemble lief, huschte Peymann an mir vorbei. Peymann war gerade damit beschäftigt, seinen Wintermantel zuzuknöpfen und steuerte Richtung Friedrichstraße. Und dann war zu meinem Glück die Vorstellung nicht ausverkauft, so dass die Logen und Ränge gar nicht erst geöffnet wurden. Ich bin von meinem Platz laut Eintrittskarte, 2. Rang und zweite Reihe, auf einen Platz in der Mitte, Reihe 11, im Parkett gewandert. Richtig gut. Auch die Vorstellung! Irgendwie abgefahren und spannend. ( Man kann über alles meckern, es fände sich was. Bei mir muss es aber nicht erst perfekt sein, damit ich etwas gut finde… ) – Die letzte Vorstellung.

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