
Ich kann mich mit Halloween noch nicht richtig anfreunden. Ich mag zwar das Düstere und die ganze Spinnerei, die mit dem Glauben an die Existenz von Geistern, Monstern & Co zusammen hängt, und auch dass Magie unsere Welt beherrscht und lenkt, aber ich habe neben dem eine ausgeprägte Abneigung gegen die schrittweise Amerikanisierung… In meinem bisherigen Leben war ich nur einmal auf einer Halloween-Party, und auch nur, weil ich mich nicht in Irgendwas verkleiden musste. Ich bemerke aber, dass der Trend zunimmt, und sich dieses Fest in unseren Breiten etabliert. Letztes Jahr zum Beispiel klingelte es plötzlich ganz unvorbereitet an meiner Tür: Ich öffnete und es standen vor mir zwei Zwergmonster und drohten: “Süßes oder Saures!”. – Ich war vorher zufällig noch beim Bäcker und hatte mir ein Stück Mohnkuchen gekauft. – Ich schnitt zwei kleine Stücke ab, wickelte die zwei Stücken in Alu-Folie ein und händigte den beiden Fratzengesichtern das Süße aus. Damit war ich die beiden Nervensägen los. Ich beschloss, im nächsten Jahr nicht mehr die Tür zu öffnen und das menschenlose Toben draußen zu lassen! In diesem Jahr an Halloween musste ich jedoch arbeiten und hatte erst gegen 21.00 Uhr Feierabend. Zum Abend hörte ich, dass man im Wedding Linienbusse mit Eiern beworfen hatte, konnte das aber nicht richtig einordnen. Auf dem Weg nach Hause liefen mir dann viele kleine Teufel, Skelette und Hexen über den Weg und schauten grimmig drein. In der U-Bahn entdeckte ich auch weitaus größere Varianten, die bestimmt in Richtung irgendeiner Themen-Party waren. Lustig anzuschauen, mehr nicht. Nichts Böses ahnend kam ich zu Hause an und steckte den Hausschlüssel in das Schloss der Hauseingangstür und beschmadderte meinen Schlüssel und meine Hand mit irgendeinem schmierigen weißen Zeug, was auf Türknauf und Schloss klebte. Was ist denn das? Na toll, Schweinebande! Auf dem Boden lagen zerbrochene Eierschalen – Eiweiß und -gelb klebten an der Tür. Mag mich einer nicht, oder einen anderen Mieter des Hauses? Egal, ich war zu kaputt, um mir weitere Gedanken zu machen. Ich ließ den Abend vor dem Fernseher ausklingen und schlief wunderbar ein. Heute begutachtete ich noch mal den Anschlag auf die Hauseingangstür. Das weiße Zeug am Schloss war Zahnpasta und war mittlerweile auch ausgehärtet. Süßes oder Saures! Jetzt fiel mir plötzlich ein, was das zu bedeuten hat, jetzt konnte ich den Eieranschlag auf den Linienbus richtig einordnen. – Halloween wird mittlerweile nicht nur in Ansätzen nachgespielt, sondern im Sinne von Süßes oder Saures ausgeübt! — Ein Bekannter, der in der Nacht Zeitungen austrägt, erzählte mir heute, dass er auf seiner Tour in Reinickendorf überall Eierschalen liegen gesehen hat und dass er aufpassen musste, die Zeitung nicht mit Zahnpasta zu beschmieren, weil das Zeug an etlichen Briefkästen klebte. Kurzum: Süßes oder Saures! So langsam gefällt mir das doch irgendwie: Wer Krieg will, kann Krieg haben. Wir werden sehen, wer der echte Teufel ist! Für das nächste Mal werde ich kleine Gammelfleisch-Bällchen mit Schokolade überziehen und in Bonbon-Papier einwickeln. Mal sehen, wie das ankommt! Süßes oder Saures! Hahaha….

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