Der Tag des Wiedersehens

Berliner Mauer und Brandenburger Tor (Bildquelle: Wikipedia)
Die Berliner Mauer „fiel“ in der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag, den 10. November 1989, nach über 28 Jahren ihrer Existenz. Als zehnjähriger Knirps sah ich den Geschehnissen mit Staunen zu, ohne aber einen rechten Begriff davon zu haben. – Am Abend des 09. November stand ich mit meinen Eltern und hunderten anderer Westberliner an einem Grenzübergang in Spandau, und wir alle begrüßten feiernd die einströmenden DDR-Bürger. Wildfremde Menschen umarmten sich dort und küssten sich und weinten. Man jubelte dort und feierte freudevoll. Sektkorken knallten, Musik erschallte und Menschen tanzten. – Nach diesem Tag sind mir vor allem flüchtige Eindrücke in Erinnerung geblieben. Ich kann mich noch an die vielen stinkenden Trabbis erinnern, die es im Westteil plötzlich gab. Die fremden Gerüche von der anderen Seite. Das Begrüßungsgeld und die langen Menschenschlangen vor den Banken. An das Umtauschen der harten Währung in Aluminium-Geld und an riesige Trödelmärkte. – Nach dem Spalierstehen am Grenzübergang ist einzig noch eine andere Erinnerung zum “Fall der Mauer” für mich mehr als reine Wahrnehmung. Ich habe meinen Anteil an dem physischen Fall der Mauer als Mauerspecht gehabt: Mit meinen damalig besten Freunden Marko und Patrice machte ich mich einige Wochen bzw. wenige Monate später in Richtung Reichstag auf. An der Berliner Mauer, zwischen Reichstag und Brandenburger Tor, holten wir unsere Hämmer und Meißel hervor und schlugen aus der bunt bemalten Mauer große Stücke Stein heraus. Viele Andere taten uns gleich. Fernsehteams liefen umher, Fotografen machten Fotos und Polizisten liefen die weltkulturelle Narbe, die jetzt zur Schweißnaht erbrannte, entlang. Beiderseits sah man das staatliche Beobachten über die eifrige Vernichtung der Mauer. Man konnte bereits durch kleine Löcher in der Mauer die lange abgetrennte, gegenüberliegende Welt erblicken. Die farbigen Mauerstücke, die ich ausgeschlagen hatte, verkaufte ich gleich an einen der vielen Schaulustigen, und schlug dann weiter auf die Mauer ein. Marko und Patrice machten es ebenso. Ich hatte viel Geld gemacht, auch weil ich ein besonders schönes und großes Stück an einen Mann verkaufen konnte, der mir für meine angebotene Ware freimütig weitaus mehr Geld gab, als ich verlangte. An diesem Tag kamen einige Hundert Mark zusammen. Marko, der die Aktion zum Laufen gebracht hatte, sammelte das gesamte Geld ein und überwies es, wie abgesprochen, an Greenpeace. (Soviel Geld hatte ich vorher nicht in meinen Händen gehalten und hätte es wohl auch gerne behalten. Ich war aber froh, dass ich ohne Murren mein Geld in den Spendentopf einwarf.) – Das waren nun einige Eindrücke, meine Erinnerungen zum Fall der Mauer…
P.S.: Alle die sich die Mauer wieder zurück wünschen, können nur verblödete Trottel sein.
(Für mich als West-Berliner ist meine Stadt durch den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung viel interessanter und viel bunter geworden.)

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