FMS “Viktoria”: Mit dem Hauptmann von Köpenick flußwärts durch den historischen Stadtkern von Berlin
on Oktober 5th, 2009 at 22:30
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05.10.09: Heute war ich zu Fuß am Alexanderplatz und Unter den Linden unterwegs. Ich war hier und da und überall. Im Sealife und im AquaDom war ich. Das Innenleben der St. Marienkirche habe ich mir angeguckt (und habe am Ende einen kleinen Obulus in die Spendenbüchse getan). Auf dem Fernsehturm wollte ich, ich ließ es aber wegen der langen Schlange an Besuchern doch noch sein. Ich war wirklich hier und da und überall, nah dran und auch mal mittendrin. Zwischendurch holte ich mir ein Baguette und später noch eine Portion Pommes und schlenderte einige Male hin und her. In der Nähe der temporären Kunsthalle war ich und zuletzt spielte ich mit dem Gedanken, mir eine Jahreskarte für die an dieser Ecke so zahlreich vorhandenen Niederlassungen der Staatlichen Museen zu Berlin zu kaufen. Man kann eine Menge sehen und bestaunen, eine Auflistung wäre eine gefühlte Endlosigkeit lang. – Heute war ein wunderbar milder, sonniger Herbsttag und die Luft war frisch und ließ erahnen, dass es allmählich kälter wird. Jedenfalls, ich schlenderte gegen 14 Uhr auf der Liebknechtbrücke entlang und hatte mit der Abwägung zum Kauf der Jahreskarte zu tun, als ich die vielen kleinen Touristendampfer auf der Spree auf und ab schwimmen sah, und mir gleich klar war, dass der Tag einfach zu schön ist, um diesen in einem Gebäude zu verbringen. Ich suchte mir an den möglichen Anlegestellen in der Gegend, diese an der Friedrichsbrücke direkt gegenüber dem Berliner Dom aus, weil mir das dort vertaute Schiffchen einfach am besten gefiel. Klein, schön, offen und beschaulich: Die FMS Viktoria!

Um 14.30 Uhr startete die einstündige Fahrt. Sieben Euro musste ich für die Fahrkarte bezahlen. Ich setzte mich auf das oberste Deck nach ganz hinten rechts und wartete auf Abfahrt. Nachdem sich das Schiffchen allmählich mit Fahrgästen gefüllt hatte und der Termin zur Abfahrt näher rückte, trat ein in alter preußischer Uniform gekleideter Herr auf das Schiff und begrüßte nach Berliner Schnauze die Fahrgäste: “Juten Tach die Dame, der Herr, willkommen uff de Viktoria!” Von jedem Fahrgast verlangte er zu erfahren, aus welcher Stadt oder welchen Ort man komme und schrieb die Angaben auf ein Notizblock. Die ganze Fahrt über hielt unser Bootsführer, seines Zeichens Hauptmann von Köpenick, einen Vortrag über alles was man über das Spreeufer hinaus erblicken konnte, in einer derart gekonnten Art, das jeglicher Applaus und nachträgliches Trinkgeld gerechtfertigt waren. Der Herr verkörperte eine Mischung aus Fremdenführer und preußischer Offizier, so gut umgesetzt, dass seine Darbietung schon als Kleinkunst bezeichnet werden muss.

Zunächst fuhr die Viktoria unter der Liebknechtbrücke hindurch, folgte dem Flusslauf bis zum Nikolaiviertel, wendete schließlich aber und fuhr in die andere Richtung weiter. Die Tour führte an der Museumsinsel vorbei, wo man so einiges über große Architekten hörte und zur Geschichte ebendieser Insel, vorbei am Regierungsviertel und dem Theater-Viertel am Schiffbauerdamm. Zwischendrin der Hauptbahnhof und die “Schwangere Auster“. Bis man angekommen in Höhe des Tiergartens die Bundespräsidenten-Residenz und die Siegessäule erblicken konnte. Anschließend wendete das Schiff und fuhr gemächlich zur Anlegestelle zurück. Das Besondere an dieser Fahrt war der Hauptmann, historische Angaben wurden wie alle anderen trockenen Fakten durch die lockere, ruppige, ehrliche aber auch liebevolle Berliner Art rüber gebracht, so dass es nie langweilig wurde. Die Herkunftsangaben der Fahrgäste baute der Hauptmann in seinen Berichten soweit ein, dass man sich auch irgendwie persönlich angesprochen fühlte. Und natürlich ließ er keineswegs Kuriositäten aus, die es auf dieser Tour zu erzählen gibt, immer ironisch und ohne jemals zynisch zu werden. Einfach ein To-Do! Diesen Kerl muss man erlebt haben! – Zum Vergleich: Andere Touristenschiffe und Wassertaxis berieselten die Fahrgäste mit Musik oder hatten “Audio-Guides” mittels Tonbandaufzeichnung im Angebot… Dem Hauptmann und seiner Darbietung, diesem Typen ist mein ganzer Bericht gewidmet! Klasse, weiter so und auf Wiedersehen!
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Recht klare Ansicht
Mh? Bevor ich anfange, mich selbstkritisch zu hinterfragen, gehe ich stark davon aus, dass das ein Kompliment ist… Vielen Dank!