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Jan21

Wir haben es satt.

by Auge on Januar 21st, 2012 at 23:30
Posted In: Berlin & Co, Ernährung & Co, Grundsätzliches, Ich & Co, Natur & Umwelt

Letztes Jahr war ich nicht dabei, weil mein Arbeitgeber auf mich nicht verzichten konnte. Dieses Jahr hat es dann aber doch geklappt. Auf zur Demo: “Wir haben es satt! – Bauernhöfe statt Agrarindustrie.” – Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporten. Gegen 10 Uhr machte ich mich auf den Weg Richtung Hauptbahnhof. Auf dem Washington-Platz wurde, in Gruppen getrennt, gesammelt. Unterschriftenlisten gingen um. Flyer wurden verteilt. Beim BUND leistete ich meine Unterschrift gegen den massenhaften Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung.
Denn zuletzt entzdeckte der BUND folgendes:
Gefährliche Erreger auch im Supermarkt. In Filialen fünf großer deutscher Handelsketten hat der BUND Hähnchenfleisch unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Auf mehr als jeder zweiten Stichprobe der Hersteller “Wiesenhof”, “Sprehe” und “Stolle” waren antibiotikaresistente Bakterien (gekauft bei Edeka, Netto, Lidl, Rewe und Penny). Diese Bakterien können bei der Zubereitung des Fleischs leicht auf den Menschen übergehen (ESBL- und MRSA-Keime). Bei anfälligen Menschen können sie zu schweren Erkrankungen führen. Zudem übertragen sie ihre Unempfindlichkeit gegen Antibiotika auf andere Bakterien im Körper. Nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts sterben allein in Deutschland jedes Jahr 15.000 Menschen an Infektionen, bei denen Antibiotika nicht mehr helfen konnten. Zur Online-Aktion.

An einer Ecke sammelte sich die Berliner VEBU-Gruppe um Sebastian Zösch. Kurz Hallo gesagt und schon hatte ich eine VEBU-Fahne in der Hand. Beim VEBU leistete ich meine zweite Unterschrift. Nämlich für die Einführung eines Veggie-Days, im Rahmen der Initiative “Donnerstag ist Veggie-Day“, in den Kantinen des Deutschen Bundestages.

Gegen 11.30 Uhr ging es los. Vom Washington-Platz strömten die Gruppierungen auf die Straße. Das Wetter war schon zu Beginn nicht so toll, aber jetzt drehte der Wind noch auf und weil das nicht schon genug war, setzte Schneeregen ein. (Beeindruckend: Zehntausende Menschen gehen trotz Sauwetter für glückliche Schweine auf die Straße.) Der VEBU postierte sich neben der Albert-Schweitzer-Stiftung und ihrem Grunz-Mobil. In Sichtweite auch die Leute von Berlin-Vegan, die wieder in Kuh- und Hühnerkostümen gekleidet waren. Immer wieder bekannte Gesichter und Gruppen. Greenpeace habe ich gesehen und auch den Nabu. Aber auch Unbekannte. Zum Beispiel die Vertreter der Deutschen Milchviehhalter. – Ein bunter Aufzug also, mit vielen unterschiedlichen Organisationen, die eigene Interessen haben, die aber der gemeinsame Willen eint, dass es mit der Landwirtschaft, wie sie jetzt ist, so nicht weiter gehen darf. -

Demo-Route auf einer größeren Karte anzeigen
Die Demonstration startete auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof. Von dort ging es über die Rahel-Hirsch-Straße und das Kapelle-Ufer zur Kronprinzenbrücke. Dann weiter auf der Konrad-Adenauer-Straße und der Otto-von-Bismarck-Allee bis zur Paul-Löbe-Allee. Dort fand in unmittelbarer Umgebung von Kanzleramt, Parlament und Reichstagsgebäude die Abschlusskundgebung statt.

Als sich der Aufzug in Bewegung setzte, wurden noch einige Transparente ausgerollt. Zusätzlich durfte ich neben meiner Fahne in der linken Hand also ein zwei bis drei Meter langes Transparent festhalten. Gemeinsam mit Lina, die beim VEBU ein Praktikum im Bereich “Öffentlichkeitsarbeit” absolviert, lief ich nun am seitlichen Rand des Aufzuges, damit auch jeder die Aufschrift “Donnerstag ist Veggietag” lesen konnte. Deshalb blieb der Fotoapparat, den ich extra mitgenommen hatte, leider die ganze Zeit in der Jackentasche. Die Strecke war schnell geschafft, sodass wir bald vor dem Kanzleramt eintrafen. Dort hielt ich es noch ein knappes Stündchen aus und lauschte einigen Redebeiträgen, verabschiedete mich dann aber allmählich und machte mich auf, zurück Richtung warmes Zuhause. (Die VEBU-Fahne konnte ich behalten!!! :) )

Fotos von der Demo: Flickr “Wir haben es satt Demonstration 2012″-Album von Jakob Huber

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Das schreibt “Wir haben es satt!”

Demo „Wir haben es satt“: 23000 Menschen verlangen von Merkel Neuausrichtung der Agrarpolitik
VerbraucherInnen, Umwelt- und TierschützerInnen, ImkerInnen, entwicklungspolitische Gruppen, Bäuerinnen und Bauern fordern Bauernhöfe statt Agrarindustrie.
Bundesregierung soll Zukunft der Landwirtschaft sichern.

Berlin, 21.01.2012 | 23000 Menschen haben heute in Berlin gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen und für eine bäuerliche ökologische Zukunftslandwirtschaft demonstriert. VerbraucherInnen, Umwelt- und TierschützerInnen, ImkerInnen, Bäuerinnen und Bauern sowie entwicklungspolitische Gruppen zogen unter dem Motto „Wir haben es satt! – Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ zum Kanzleramt und verlangten von Bundeskanzlerin Merkel eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik. Die Veranstalter werfen der Bundesregierung vor, bei der Reform der EU-Agrarpolitik bislang Steigbügelhalter für die Agrarindustrie zu sein, statt die Forderungen der Zivilgesellschaft durchzusetzen. Die Agrarzahlungen müssten an ökologische, soziale und Tierschutzkriterien gekoppelt und für Großbetriebe gedeckelt werden. Sämtliche Subventionen für den Agrarexport seien zu stoppen. Zu der Demonstration hatte ein Bündnis aus über 90 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt-, Tier-, Verbraucherschutz und Entwicklungszusammenarbeit.
Die Nigerianerin, Mariann Bassey, Sprecherin von Friends of the Earth, dem internationalen Umweltnetzwerk des BUND, mahnte: „Die Politik hat schrankenlose Spekulationen auf Lebensmittel erst möglich gemacht. Gleichzeitig ist sie für den Landraub für Futtermittel und Agrosprit in den Ländern des Südens verantwortlich. Das alles treibt die Lebensmittelpreise hoch und schließt Hungernde vom Zugang zu fruchtbarem Land und zu Lebensmitteln aus. Für das Menschenrecht auf Nahrung müssen Spekulation und der Agrospritboom ausgebremst werden. Die Europäische Agrarpolitik braucht eine Kehrtwende weg von Überproduktion und Fleischexporten.“
Die Köchin, Gastronomin und Buchautorin Sarah Wiener sagte: „Jüngst wurden antibiotikaresistente Keime in Hühnerfleisch gefunden – dies ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben diese ständigen Lebensmittelskandale satt. Es ist höchste Zeit, dass endlich grundlegende Konsequenzen daraus gezogen werden. Wir müssen weg von der Agrarindustrie, hin zu einer bäuerlichen und nachhaltigen Landwirtschaft.”
Der Jung-Bauer Moritz Schäfer von der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) betonte: „Unser breiter Protest gegen die Agrogentechnik wirkt: BASF musste ihre Gentech-Kartoffel in Europa aufgeben, da die gesellschaftliche und bäuerliche Akzeptanz fehlt. Es ist auch eine schallende Ohrfeige für die Bundesregierung, denn die Amflora von der BASF war die erste Kartoffel, die es in einen Koalitionsvertrag schaffte. Auch in der EU-Agrarpolitik forciert Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner bislang die Agrarindustrie.Und das obwohl die agrarindustriellen Strukturen Klimawandel, Hungerkrisen und das Höfesterben verschärft. Die EU- Direktzahlungen müssen an Arbeitskräfte und Umweltleistungen gebunden und nach oben gekappt werden und dürfen nicht die Agrarindustrie mästen! Dann finden sie auch gesellschaftliche Akzeptanz.“
Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, stellte fest: „Es geht um die Systemfrage: Lassen wir es weiter zu, Tiere in Haltungssysteme zu zwingen, die ihnen Schmerzen und Leid zufügen? Denn das ist heute der Alltag für Millionen von Tieren. In den Intensivhaltungen leiden sie direkt. Unter den Folgen leiden aber auch Umwelt, Bäuerinnen und Bauern sowie VerbraucherInnen. Daher braucht es den Schulterschluss gesellschaftlicher Gruppen. Wir kämpfen für mehr Tierwohl im Stall, gegen Gentechnik- Futtermittelimporte aus Übersee und für mehr Unterstützung der bäuerlichen, artgerechten Landwirtschaft.“

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Nov30

Es geht weiter!

by Auge on November 30th, 2011 at 08:00
Posted In: Ernährung & Co, Ich & Co, Sport & Co

Ich liebe meinen Blog.
Ich hasse meinen Blog!

Immer wieder und immer öfter drängt sich mir die Frage auf, warum ich mir so ein lückenhaftes Fremdschäm-Tagebuch überhaupt antue. (??? – Man weiß es nicht!)
Einfach Aufhören, alles löschen? Aber es war nicht alles schlecht… Beim qualvollen Abwägen der Vor- und Nachteile komme ich wieder und wieder zum gleichen Ergebnis: Ich schreibe und reite mich einfach weiter in die Scheiße! – Juchhu!
Und da wieder mal die Zeit des Abwägens vorbei ist, posaune ich jetzt pflichtbewusst neue Meldungen über mich in die weite Welt hinaus:
Am letzten Samstag nämlich, 26.11.11, fand im Süden Berlins die erste vegane Fachmesse Deutschlands statt. Die Veganfach! Ausrichter der Veranstaltung war die Vegane Gesellschaft Deutschland. Und ich, der unverbrauchte Neuveganer, ich war nicht da!
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Wäre dieser Blogeintrag ein inszenatorisch gut abgewickelter Artikel, dann wäre hier Schluss! (Oder?) Aber wer das gehofft hat, ist schief gewickelt! Denn wie gesagt, es geht weiter:
Hätte ich Zeit gehabt, wäre ich natürlich über die Messe geschlendert, hätte viel viel viel zu viel Geld, welches ich nicht habe, in Essen und Bücher und in einen preisreduzierten Smoothie-Mixer investiert, da ich an dem Tage eh Richtung Veganfach musste. So aber waren die Tore der Veganfach nur der Übergabeort für meine bestellten VeganRunner-LaufShirts (die frisch aus Großbritannien gekommen waren)!
Denn vor kurzem hatte ich mich nämlich beim Berlin-Brandenburgischen Ableger der Vegan Runners angemeldet. Einem losen Zusammenschluss von veganen Läufern, dem Tierrechtsbündnis Berlin-Vegan angegliedert, der bspw. bei Marathonstaffeln geschlossen auftritt. Ich selbst bin zwar noch nicht für die Vegan Runners aktiv geworden, konnte aber wie gesagt schon mal mein Dress in Empfang nehmen.
– So! Das war es jetzt! Ende der Fußnote.
Wenn es mehr zum Thema gibt oder zu anderen Sachen, dann ja auch auf diesem Blog!
P.S.: Gestern habe ich mich verbindlich für die 42 Kilometer Läuferstrecke des Berlin-Marathons 2012 angemeldet. 140 Euro für die Anmeldung, inklusive Eventshirt und eine Medaille mit Gravur. Bis nächstes Jahr im September muss ich also Marathon-Fit werden. Ich bin guter Hoffnung. Chauuu!

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Nov01

Vegane Zwischenbilanz zum Weltvegantag.

by Auge on November 1st, 2011 at 16:50
Posted In: Ernährung & Co, Grundsätzliches, Ich & Co

Heute ist Weltvegantag!
Ein Tag ganz im Zeichen der veganen Lebensweise. – Und mein Tag für eine kleine persönliche Zwischenbilanz für die nun fast drei Monate, die ich vegan leben.

Veganismus ist eine Einstellung und Lebensweise,
welche die Nutzung von Tieren und tierischen Produkten ablehnt.
Ich bin vegan. Ich esse keine tierischen Produkte.
Kein Fleisch, kein Fisch, kein Geflügel, keine Milchprodukte
(keine Milch, keinen Käse, keine Butter, keinen Joghurt, etc.),
keine Eier, keinen Honig.
Ich trage keine Kleidung mit tierischen Produkten, wie Leder, Wolle oder Pelz.

Chronologischer Anfang. Am 08.08.2011 sollte es soweit sein, nämlich mein letzter Tag vor dem Vegan sein. Also zelebrierte ich in der ersten Augustwoche eine Abschiedsfeier. Ich aß so viel gelben Käse, Milcheis, Milchreis, Veggie-Cheeseburger, Pommes mit Mayo, Milchschokolade, bis mir wirklich schlecht wurde und ich fast 4kg zugenommen hatte. Mein Magen rumorte und auch mein Darm versperrte sich weiterer Übelheiten, sodass ich am 09.08 doch froh war, diese Abschiedssache hinter mir zu haben. Am Ende zeigte die Waage 104 kg Körpergewicht mit einem Fettanteil von 25 % an.
Der August kam mir dann wirklich zäh vor… Beim Einkaufen ließ ich vieles im Regal stehen, wonach ich vorher noch beherzt zugegriffen hatte. Ich hatte das Gefühl, mich nur noch von Mohrrüben zu ernähren. Dazu kam, dass mich eine heftige Sommergrippe erwischte, die mich gute zwei Wochen außer Kraft setzte. Höhnische Sprüche folgten.
Im September lief es schon besser. Mein Speisenplan wurde erweitert, Hülsenfrüchte, Agavendicksaft, mehr Obst und Gemüse, vegane Alternativen zu Schokocreme und Milcheis und vieles mehr. Das Gefühl von Verzicht wich und etwas mehr Zufriedenheit machte sich breit.
Bei einem kleinen anarchistischen Versandhandel bestellte ich für 10 Euro mein erstes veganes T-Shirt!
Als es endlich per Post ankam, stand auch gleich ein kleines Grillfest an und musste also getragen werden. Mein veganes Statement im engsten Familienkreis!
Um nicht im Kreise der Familie mit leeren Magen und dummem Gesicht dazustehen, bereitete ich mich vernünftig vor. Ich machte meine Besorgungen bei Alnatura, holte mir dort Würstchen aus Seitan und ein Hacksteak aus Weizenproteinen, vegane Mayonnaise für meinen Nudelsalat und eine Backmischung für einen Nusskuchen. Auf dem Grillfest lief ich mit meinem Vegan-T-Shirt auf, was mir dann doch etwas peinlich war. Aber außer von meinem Onkel, der ab und zu die Augen verdrehte, kam nichts. Außerdem war mein Nudelsalat der absolute Renner. Die riesige Schüssel leerte sich und mir wurde von allen Seiten bezeugt, dass der Nudelsalat bombig schmeckte. Der omnivore Nudelsalat meiner Mutter blieb fast unangetastet.

Mangelernährung? Das ist das erste, was einem an den Kopf geworfen wird. – Punkt Eins auf der Liste der Anderen, um mir klar zu machen, sich vegan zu ernähren sei nicht richtig. Meistens bekommt man Vorurteile zu hören, wirklich beschäftigt hat sich niemand mit dem Thema. – Ich glaube nicht an Mangelerscheinungen bei einer ausgewogenen veganen Ernährung. Dennoch werde ich Mitte nächsten Jahres eine Blutuntersuchung machen lassen, um auch den Kritikern die guten Werte unter die Nase reiben zu können. – Mein erstes Aha-Erlebnis diesbezüglich hatte ich schon – beim Blutspenden: Seit 2010 gehe ich (als Vegetarier) regelmäßig Blutspenden. Der Eisenwert ist von Spende zu Spende stetig gesunken. Von zuerst 16,4 – auf 15,8 – dann 15,4 – und 15,2 – auf schließlich 14,3. Aber als ich das erste Mal als Veganer zum Blutspenden ging, war auch das erste Mal der Wert gestiegen, auf 15,1! — Immerhin! :) Das habe ich meinen skeptischen Bekannten natürlich gleich erzählen müssen! (Alle Veganer sind blass, weil denen das Eisen im Blut fehlt! – Ich war schon immer etwas blass und mein Eisenwert ist total im grünen Bereich!)
Peinlichkeiten. Eigentlich sollte man offen und mit einer gewissen Standfestigkeit seine für richtig befundenen Entscheidungen nach außen hin vertreten. Und wenn ich das T-Shirt „Vegan“ zu Hause in meinen vier Wänden voller Stolz trage, so ist es mir in der Öffentlichkeit doch irgendwie etwas peinlich. – Und das bezieht sich nicht einfach nur auf ein T-Shirt. Ein Beispiel: Nach dem letzten Blutspenden folgte das Frühstück. Ich setzte mich. Ein Herr war schon dabei, den Tee zu trinken. Die Schwester kam und hielt mir ein Tablett mit Schrippen, belegt mit Wurst, Käse und Ei, unter die Nase. Ich winkte ab und behauptete, ich wäre satt. Die Schwester aber beharrte darauf, dass ich was Essen muss. Und weil ich sie nicht los wurde, fragte ich, ob sie mir nicht eine Schrippe mit Beilage, also mit Paprika oder Gurke, machen könne. Beilage war leider schon aus. Der Mann mir gegenüber aß seine Schrippe, schlürfte seinen Tee und guckte ab und an rüber. Ich schüttelte den Kopf und die Schwester kam bei meiner unerklärlichen Sturheit nicht weiter. Sie schob mir schließlich eine kleine Schüssel voll mit Keksen vor die Nase. Dann ging sie mürrisch. Ich war froh, dass sie mich endlich in Ruhe ließ! – Hätte ich gleich gesagt, ich ernähre mich vegan, wäre mir diese Nummer erspart geblieben. Aber das Wort kommt mir komischer weise nicht ganz so einfach über die Lippen…
Die Anderen und Ich. Die Anderen machten sich natürlich erst mal lustig. – Aus heiterem Himmel praktiziere ich eine Sache, die irgendwie etwas mit Minderheit oder Sekte oder verweichlichte Öko-Spinnerei zu tun hat. Quittiert wird mir das mit Sprüchen wie „Veganer essen meinem Essen das Essen weg!“. Sprüche, die in der Runde Lacher bringen. Hahaha. Eine Diskussion bringt selten etwas, irgendwann folgt nach sehr wackligen Rechtfertigungsgründen noch Zynismus, und am Ende bleibt mir nur die Frage, ob es sich lohnt, sich in Gesprächen aufzureiben. Denn je mehr man erfährt, sich schlau macht, umso mehr ärgert einen die ungebrochene Anmaßung und Ignoranz der Anderen. – Mittendrin hatten sich Kollegen zum Hobby gemacht, darauf aufzupassen, ob ich nicht doch „heimlich Fleisch esse“ und beäugten und analysierten mein Essen… Aber das alles flaut auch allmählich ab.
Trotzdem, man grenzt sich zwangsläufig selbst etwas aus und wird ausgegrenzt. Das sehe ich zum Beispiel auch daran, dass meine Mutter viel seltener anruft und fragt, ob ich nicht zum Essen kommen will. Aber wenn ich in ihren Kühlschrank gucke, kriege ich auch keinen Hunger.

Fazit. Ich habe mich entwickelt. Aus meinem Bauchgefühl heraus wurde ich zum Vegetarier. Danach fing ich an, im Internet zu recherchieren, Bücher zum Thema zu lesen, Blogs zu lesen… und wurde schließlich zum Veganer. Eine Kopfgeburt. Fehler bleiben natürlich nicht aus. Manchmal oder mehrmals isst man etwas, was eigentlich nicht vegan ist. Aber man bleibt immer am Ball. Und so viel kann man nicht falsch machen, überall gibt es Hilfe. Im Internet, als Handy-App, überall verfügbare vegane Produktdatenbanken, E-Listen und was sonst noch für den Einstieg wichtig ist und der Orientierung dient. Oder man geht bei einem veganen Supermarkt einkaufen, wo man kopffrei einfach zugreifen kann. Eins kann ich jetzt schon sagen: Ein Zurück wird es nicht geben. Nur noch ein Weiter. Die alte Ledercouch wird nicht weggeworfen, aber eine neue Couch wird nicht mehr aus Leder sein. Auch die Schuhe nicht. Keine Wolle…, keine Daunen mehr in Decken. Demnächst will ich mich damit auseinandersetzen, welches Shampoo vegan ist, oder ganz im Allgemeinen was man zum Thema Tierversuche wissen sollte.
Trotzdem gibt es wie überall im Leben kleine Kompromisse. 100% Vegan ist wahrscheinlich gar nicht möglich. Meine Katzen beispielsweise kriegen weiterhin ihr Dosenfutter. Aber ich weiß auch, nach meinen Katzen kommen mir keine anderen Tiere mehr ins Haus.
Oder was bedeutet der Satz auf der Zutatenliste eines Produkts: „Kann Spuren von… enthalten“? Vegan? Nicht vegan? Ich denke, dass handhabt jeder etwas anders und ich greif bei diesen Produkten noch zu.
Oder Reichelt, Aldi, Kaisers und Netto boykottiere ich auch nicht, weil die Tierprodukte führen. Seine Freunde lässt man nicht fallen, auch wenn sie weiterhin Fleisch essen.
Genauso könnte man sich über Honig streiten, denn werden die Tiere wirklich ausgebeutet, um an den Honig zu kommen?

Wie es mir geht. Auf den Punkt gebracht: Es macht Spaß, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Geschmacklich muss ich auf Nichts verzichten. Ich fühl mich gesund, fit und gut! Die kleineren Zipperlein, wie die leichte Arthrose irgendwo im linken Fuß, die mich bisher bei den ersten paar Schritten am Morgen plagte, machen sich gar nicht mehr bemerkbar, fast unglaublich! – Ich mach dazu noch mehr Sport und die Regenerationszeit ist kürzer. Ich habe langsam aber stetig abgenommen und wiege mittlerweile 93 kg.
Was bleibt? Veganismus ist ein Ideal, und das Bestreben sollte sein, diesem Ideal nah oder näher zu kommen. – Wer braucht Honig, wenn es Agavendicksaft gibt?

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Okt22

Theaterbesuche 2011.

by Auge on Oktober 22nd, 2011 at 10:40
Posted In: Theaterbesuche

18.04.11 – Berliner Ensemble: Einfach Kompliziert.
27.04.11 – Berliner Ensemble: Die Dreigroschenoper.
Artikel: Orchester-Loge 1, Links, Platz 5 (28.04.11)
05.06.11 – Berliner Ensemble: Romeo und Julia.
Artikel: Shakespeares Sonnetten. – Absoluter Ausfall! (17.06.11)
05.07.11 – Berliner Ensemble: Der Zerbrochne Krug.
21.10.11 – Berliner Ensemble: Andorra.

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Okt19

Deine Wahlurne.

by Auge on Oktober 19th, 2011 at 23:00
Posted In: Fundstücke

Deine Wahlurne
Deine Wahlurne. Bitte Wahlzettel gleich hier einwerfen.
Die Berlin-Wahl ist vorüber…
Mein Stimmzettel ging per Briefwahl weg… und das über die gelbe nicht in die orange Tonne… Aber nicht so schlimm! – Denn nach der Wahl ist vor der Wahl, wie mal ein kluger Verhaltensforscher gesagt hat… Oder war das ein Fußballtrainer? Egal! In diesem Sinne, anarchistische Grüße, euer Auge.
Hier gefunden, heute entdeckt.

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