Letztes Jahr war ich nicht dabei, weil mein Arbeitgeber auf mich nicht verzichten konnte. Dieses Jahr hat es dann aber doch geklappt. Auf zur Demo: “Wir haben es satt! – Bauernhöfe statt Agrarindustrie.” – Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporten. Gegen 10 Uhr machte ich mich auf den Weg Richtung Hauptbahnhof. Auf dem Washington-Platz wurde, in Gruppen getrennt, gesammelt. Unterschriftenlisten gingen um. Flyer wurden verteilt. Beim BUND leistete ich meine Unterschrift gegen den massenhaften Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung.
Denn zuletzt entzdeckte der BUND folgendes:
Gefährliche Erreger auch im Supermarkt. In Filialen fünf großer deutscher Handelsketten hat der BUND Hähnchenfleisch unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Auf mehr als jeder zweiten Stichprobe der Hersteller “Wiesenhof”, “Sprehe” und “Stolle” waren antibiotikaresistente Bakterien (gekauft bei Edeka, Netto, Lidl, Rewe und Penny). Diese Bakterien können bei der Zubereitung des Fleischs leicht auf den Menschen übergehen (ESBL- und MRSA-Keime). Bei anfälligen Menschen können sie zu schweren Erkrankungen führen. Zudem übertragen sie ihre Unempfindlichkeit gegen Antibiotika auf andere Bakterien im Körper. Nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts sterben allein in Deutschland jedes Jahr 15.000 Menschen an Infektionen, bei denen Antibiotika nicht mehr helfen konnten. Zur Online-Aktion.
An einer Ecke sammelte sich die Berliner VEBU-Gruppe um Sebastian Zösch. Kurz Hallo gesagt und schon hatte ich eine VEBU-Fahne in der Hand. Beim VEBU leistete ich meine zweite Unterschrift. Nämlich für die Einführung eines Veggie-Days, im Rahmen der Initiative “Donnerstag ist Veggie-Day“, in den Kantinen des Deutschen Bundestages.
Gegen 11.30 Uhr ging es los. Vom Washington-Platz strömten die Gruppierungen auf die Straße. Das Wetter war schon zu Beginn nicht so toll, aber jetzt drehte der Wind noch auf und weil das nicht schon genug war, setzte Schneeregen ein. (Beeindruckend: Zehntausende Menschen gehen trotz Sauwetter für glückliche Schweine auf die Straße.) Der VEBU postierte sich neben der Albert-Schweitzer-Stiftung und ihrem Grunz-Mobil. In Sichtweite auch die Leute von Berlin-Vegan, die wieder in Kuh- und Hühnerkostümen gekleidet waren. Immer wieder bekannte Gesichter und Gruppen. Greenpeace habe ich gesehen und auch den Nabu. Aber auch Unbekannte. Zum Beispiel die Vertreter der Deutschen Milchviehhalter. – Ein bunter Aufzug also, mit vielen unterschiedlichen Organisationen, die eigene Interessen haben, die aber der gemeinsame Willen eint, dass es mit der Landwirtschaft, wie sie jetzt ist, so nicht weiter gehen darf. -
Demo-Route auf einer größeren Karte anzeigen
Die Demonstration startete auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof. Von dort ging es über die Rahel-Hirsch-Straße und das Kapelle-Ufer zur Kronprinzenbrücke. Dann weiter auf der Konrad-Adenauer-Straße und der Otto-von-Bismarck-Allee bis zur Paul-Löbe-Allee. Dort fand in unmittelbarer Umgebung von Kanzleramt, Parlament und Reichstagsgebäude die Abschlusskundgebung statt.
Als sich der Aufzug in Bewegung setzte, wurden noch einige Transparente ausgerollt. Zusätzlich durfte ich neben meiner Fahne in der linken Hand also ein zwei bis drei Meter langes Transparent festhalten. Gemeinsam mit Lina, die beim VEBU ein Praktikum im Bereich “Öffentlichkeitsarbeit” absolviert, lief ich nun am seitlichen Rand des Aufzuges, damit auch jeder die Aufschrift “Donnerstag ist Veggietag” lesen konnte. Deshalb blieb der Fotoapparat, den ich extra mitgenommen hatte, leider die ganze Zeit in der Jackentasche. Die Strecke war schnell geschafft, sodass wir bald vor dem Kanzleramt eintrafen. Dort hielt ich es noch ein knappes Stündchen aus und lauschte einigen Redebeiträgen, verabschiedete mich dann aber allmählich und machte mich auf, zurück Richtung warmes Zuhause. (Die VEBU-Fahne konnte ich behalten!!!
)
Fotos von der Demo: Flickr “Wir haben es satt Demonstration 2012″-Album von Jakob Huber

Das schreibt “Wir haben es satt!”

Demo „Wir haben es satt“: 23000 Menschen verlangen von Merkel Neuausrichtung der Agrarpolitik
VerbraucherInnen, Umwelt- und TierschützerInnen, ImkerInnen, entwicklungspolitische Gruppen, Bäuerinnen und Bauern fordern Bauernhöfe statt Agrarindustrie.
Bundesregierung soll Zukunft der Landwirtschaft sichern.
Berlin, 21.01.2012 | 23000 Menschen haben heute in Berlin gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen und für eine bäuerliche ökologische Zukunftslandwirtschaft demonstriert. VerbraucherInnen, Umwelt- und TierschützerInnen, ImkerInnen, Bäuerinnen und Bauern sowie entwicklungspolitische Gruppen zogen unter dem Motto „Wir haben es satt! – Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ zum Kanzleramt und verlangten von Bundeskanzlerin Merkel eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik. Die Veranstalter werfen der Bundesregierung vor, bei der Reform der EU-Agrarpolitik bislang Steigbügelhalter für die Agrarindustrie zu sein, statt die Forderungen der Zivilgesellschaft durchzusetzen. Die Agrarzahlungen müssten an ökologische, soziale und Tierschutzkriterien gekoppelt und für Großbetriebe gedeckelt werden. Sämtliche Subventionen für den Agrarexport seien zu stoppen. Zu der Demonstration hatte ein Bündnis aus über 90 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt-, Tier-, Verbraucherschutz und Entwicklungszusammenarbeit.
Die Nigerianerin, Mariann Bassey, Sprecherin von Friends of the Earth, dem internationalen Umweltnetzwerk des BUND, mahnte: „Die Politik hat schrankenlose Spekulationen auf Lebensmittel erst möglich gemacht. Gleichzeitig ist sie für den Landraub für Futtermittel und Agrosprit in den Ländern des Südens verantwortlich. Das alles treibt die Lebensmittelpreise hoch und schließt Hungernde vom Zugang zu fruchtbarem Land und zu Lebensmitteln aus. Für das Menschenrecht auf Nahrung müssen Spekulation und der Agrospritboom ausgebremst werden. Die Europäische Agrarpolitik braucht eine Kehrtwende weg von Überproduktion und Fleischexporten.“
Die Köchin, Gastronomin und Buchautorin Sarah Wiener sagte: „Jüngst wurden antibiotikaresistente Keime in Hühnerfleisch gefunden – dies ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben diese ständigen Lebensmittelskandale satt. Es ist höchste Zeit, dass endlich grundlegende Konsequenzen daraus gezogen werden. Wir müssen weg von der Agrarindustrie, hin zu einer bäuerlichen und nachhaltigen Landwirtschaft.”
Der Jung-Bauer Moritz Schäfer von der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) betonte: „Unser breiter Protest gegen die Agrogentechnik wirkt: BASF musste ihre Gentech-Kartoffel in Europa aufgeben, da die gesellschaftliche und bäuerliche Akzeptanz fehlt. Es ist auch eine schallende Ohrfeige für die Bundesregierung, denn die Amflora von der BASF war die erste Kartoffel, die es in einen Koalitionsvertrag schaffte. Auch in der EU-Agrarpolitik forciert Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner bislang die Agrarindustrie.Und das obwohl die agrarindustriellen Strukturen Klimawandel, Hungerkrisen und das Höfesterben verschärft. Die EU- Direktzahlungen müssen an Arbeitskräfte und Umweltleistungen gebunden und nach oben gekappt werden und dürfen nicht die Agrarindustrie mästen! Dann finden sie auch gesellschaftliche Akzeptanz.“
Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, stellte fest: „Es geht um die Systemfrage: Lassen wir es weiter zu, Tiere in Haltungssysteme zu zwingen, die ihnen Schmerzen und Leid zufügen? Denn das ist heute der Alltag für Millionen von Tieren. In den Intensivhaltungen leiden sie direkt. Unter den Folgen leiden aber auch Umwelt, Bäuerinnen und Bauern sowie VerbraucherInnen. Daher braucht es den Schulterschluss gesellschaftlicher Gruppen. Wir kämpfen für mehr Tierwohl im Stall, gegen Gentechnik- Futtermittelimporte aus Übersee und für mehr Unterstützung der bäuerlichen, artgerechten Landwirtschaft.“


Heute ist
Bei einem kleinen 

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